Wie finde ich die richtige Crowdfunding-Plattform für mein Startup?

February 21, 2019
Last Updated: September 5th, 2019
7 min read

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Crowdfunding – in anderen Ländern schon lange eine sehr gefragte Finanzierungsform – erfreut sich auch in Deutschland wachsender Beliebtheit. Seit Seedmatch im Jahr 2011 als erste deutsche Crowdfunding-Plattform für Startups an den Start ging, hat sich hierzulande viel getan: Die Branchen-Datenbank crowdinvest.de zählt mittlerweile in der Bundesrepublik 2.039 von der Crowd finanzierte Projekte mit einem Gesamtvolumen von knapp 681 Millionen Euro (Stand: 07.01.2019). Neben Plattformen zur Finanzierung von Startups und jungen Wachstumsunternehmen haben sich mittlerweile auch zahlreiche Anbieter in den Bereichen grüne Investments sowie Immobilienfinanzierung etabliert. Nicht immer ist es für Unternehmer auf der Suche nach einer Finanzierung leicht, im wachsenden Markt den Überblick zu behalten. In diesem Beitrag erklären wir daher die verschiedenen Formen des Crowdfundings, gehen auf die Kompatibilität von Crowdfunding mit anderen Finanzierungsformen ein und verraten, worauf Startups auf der Suche nach der geeigneten Plattform für ihre Finanzierungskampagne achten sollten.

Verschiedene Formen des Crowdfundings

Von Crowdfunding spricht man, wenn eine Vielzahl von Menschen (die Crowd) gemeinsam ein Projekt finanziert. Um welche Art von Projekt es sich dabei handelt und wie die konkrete Finanzierungsform sowie die Konditionen für die Unterstützer und für den Empfänger der finanziellen Mittel aussehen, wird durch diesen Oberbegriff zunächst noch nicht genauer definiert. Zwei Arten des Crowdfundings sind für junge Unternehmen besonders relevant: das reward-based Crowdfunding sowie das Crowdinvesting.

Beim reward-based Crowdfunding stellen Menschen einem Unternehmen Geld für die Entwicklung eines Produkts zur Verfügung und erhalten dafür eine Gegenleistung, z. B. das zu entwickelnde Produkt oder ein anderes, in der Regel materielles Dankeschön. Das Unternehmen muss das Kapital der Crowd nicht zurückzahlen. Reward-based Crowdfunding eignet sich daher vor allem für frühphasige Startups, die zunächst ihre Produktentwicklung finanzieren müssen und dafür neben dem eigenen Startkapital auf zusätzliche finanzielle Mittel angewiesen sind. Voraussetzung für den Erfolg ist jedoch, dass das Unternehmen ein Produkt anbietet, dass für viele Menschen interessant ist und dessen Entwicklung sie unbedingt unterstützen möchten. B2C-Produkte bzw. -Geschäftsmodelle sowie Startups, die sich bereits eine große Fan-Basis erarbeiten konnten, sind daher im Vorteil.

Crowdinvesting hingegen ist eine Form der Geldanlage, bei der Kleinanleger Kapital in ein junges Unternehmen investieren, um – je nach Finanzierungsform – dieses Kapital verzinst zurückzuerhalten und/oder vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens zu profitieren, etwa durch Bonuszinszahlungen, die z. B. an Gewinne oder einen Exit geknüpft sind. Wie lange die Darlehensverträge laufen und wie etwaige Zinszahlungen geregelt sind, kann je nach Crowdinvesting-Plattform unterschiedlich sein und wird in den Verträgen zwischen dem Unternehmen und seinen Investoren festgehalten. Für die Kleinanleger besteht das Risiko, ihr eingesetztes Kapital vollständig zu verlieren, wenn das Startup, in das sie investiert haben, Insolvenz anmelden oder liquidiert werden muss.

Crowdinvesting in Kombination mit anderen Finanzierungsformen

Die Investments, die ein Startup beim Crowdinvesting erhält, haben in der Regel die Form des partiarischen Nachrangdarlehens. Das bedeutet, dass die Investoren am Unternehmenserfolg partizipieren (= partiarisch), sie jedoch keine Stimmrechte erhalten. Zudem treten ihre Forderungen im Fall der Insolvenz oder Liquidation hinter anderen Forderungen im Rang zurück (= Nachrangigkeit). Das Finanzierungsmodell des Crowdinvestings ist damit für Anschlussfinanzierungen gleich welcher Art – ob durch Bankdarlehen, öffentlich geförderte Finanzierungen, Venture Capitalists oder Business Angels – optimiert.

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So haben etwa zahlreiche über die Crowdinvesting-Plattform Seedmatch finanzierte Startups vor oder nach ihrer Seedmatch-Kampagne Finanzierungen etwa von Venture Capitalists oder Business Angels erhalten – zum Teil wurden diese sogar zeitgleich mit der Kampagne als Co-Investment mit der Crowd gestaltet. Doch nicht nur Anschlussfinanzierungen über VCs & Co. sind möglich – viele Unternehmen entscheiden sich nach positiven Erfahrungen aus der ersten Finanzierungsrunde auch für eine weitere Crowdinvesting-Kampagne. Die Vorteile liegen auf der Hand: Man kennt die Prozesse und Abläufe und kann durch die Investoren der ersten Runde bereits auf einen engagierten Kreis von Multiplikatoren zurückgreifen, der häufig erneut investiert und ein Investment zudem im eigenen Netzwerk empfiehlt.

Auswahlkriterien für die richtige Crowdfunding-Plattform

Du willst dir die Unterstützung der Crowd in dein Unternehmen holen und bist überzeugt, dass Crowdfunding die richtige Finanzierungsform für dein Startup ist – fragst dich aber nun, wie du die passende Crowdfunding-Plattform auswählst? Wir zeigen, worauf du achten solltest:

  1. Stell’ dir die richtigen Fragen

Für deine Entscheidung ist es zunächst einmal wichtig, dass du dir ein paar Fragen zu deinem Unternehmen und zu deinen Erwartungen an eine Crowdfunding-Kampagne stellst. Dazu gehören etwa:

  • An welchem Punkt meiner Unternehmensentwicklung stehe ich? Benötige ich eine Finanzierung, um meine Produktvision überhaupt Wirklichkeit werden zu lassen und einen Prototypen zu entwickeln? Oder kann ich bereits ein fertig entwickeltes Produkt sowie erste Umsätze vorweisen? Je nachdem, wie die Antwort ausfällt, weißt du, ob für dich zunächst reward-based Crowdfunding interessant ist oder ob dein Startup schon die nötige Reife für ein Crowdinvesting mitbringt.
  • Setze ich auf eine spezialisierte Plattform oder auf einen Anbieter mit großer Reichweite? Es gibt mittlerweile Crowdinvesting-Plattformen, die sich auf eine bestimmte Branche fokussieren, etwa auf LifeScience-Startups. Der Vorteil: Hier stellt man sein Produkt und Geschäftsmodell in der Regel einem Anlegerkreis vor, der bereits über Expertise im jeweiligen Themenfeld verfügt. Dies kann gerade für sehr erklärungsbedürftige oder für Nischenprodukte interessant sein. Plattformen, die keine Brancheneinschränkungen vornehmen, haben hingegen mehr Finanzierungskampagnen und Nutzer und nehmen mehr Kapital ein, das sie wiederum in Nutzerwachstum und Reichweitensteigerung investieren können. Dies ist interessant für Startups mit B2C-Produkten, aber auch für B2B-Geschäftsmodelle, die potenziell in einer Vielzahl von Unternehmen zum Einsatz kommen könnten – denn Kleinanleger sind nicht nur Privatpersonen, sondern auch Multiplikatoren in ihrem jeweiligen Arbeitsumfeld.
  1. Vergleiche den Track Record der Plattformen

Wie gut laufen die Kampagnen auf den in Frage kommenden Plattformen? Werden die Finanzierungsziele in der Regel erreicht? Oder kommt es auch häufiger vor, dass Kampagnen nicht finanziert werden können? Die Plattformen legen bei der Prüfung von Startups und der Entscheidung, eine Kampagne mit ihnen durchzuführen, unterschiedlich strenge Kriterien an den Tag. Eine Plattform mit strengen Auswahlkriterien führt möglicherweise weniger Fundings durch als ihre Wettbewerber, aufgrund der sorgfältigeren Auswahl wird diesen Projekten jedoch seitens der Kleinanleger mehr Vertrauen entgegengebracht und die Wahrscheinlichkeit, dass das Fundingziel vollumfänglich erreicht wird, steigt. Das ist ein großer Pluspunkt, denn wer den recht hohen Aufwand für die Vorbereitung einer Crowdfunding-Kampagne stemmt, möchte dafür selbstverständlich mit so viel Kapital wie möglich belohnt werden. Über den Track Record der Plattformen kann man sich z. B. auf der Website der Branchen-Datenbank crowdinvest.de informieren.

  1. Hör’ dich nach Erfahrungswerten um

Du bist nicht der erste, der eine Crowdinvesting-Kampagne durchführen will – viele andere sind diesen Weg bereits vor dir gegangen. Was liegt also näher, als sich einmal bei denen umzuhören, die schon Erfahrungen mit dieser Finanzierungsform gesammelt haben? Schau dir die abgeschlossenen Kampagnen auf den relevanten Plattformen an – vielleicht ist ja ein Unternehmen darunter, zu dem du bereits Kontakte hast. Oder du nutzt eines der zahlreichen Startup-Events und Netzwerktreffen, um dich mit anderen Gründern auszutauschen.

  1. Lerne die Plattform näher kennen

Selbstverständlich sind auch die Crowdinvesting-Plattformen selbst bei Fragen gern für dich da. Grundsätzliche Fragen können häufig vorab einer Bewerbung telefonisch oder per E-Mail geklärt werden. Wenn du eine Kurzbewerbung (in der Regel dein Pitchdeck) eingereicht hast und der erste Check seitens der Crowdinvesting-Plattform positiv verlaufen ist, steigt ihr in einen tiefergehenden Austausch ein, in dem du alle deine Fragen loswerden kannst. Du solltest dir z. B. genau erklären lassen, wie die Kampagne abläuft, welche Leistungen die jeweilige Plattform übernimmt, wie viel Aufwand und Ressourcen auf Startup-Seite notwendig sind, wie die Verträge gestaltet sind und welche Kosten für die Durchführung der Kampagne auf dich zukommen. Wichtig ist aber auch, dass “die Chemie” zwischen Startup und Verantwortlichen auf Plattform-Seite stimmt und du dich gut aufgehoben fühlst. Denn während der Vorbereitung und Durchführung der Kampagne und häufig auch noch darüber hinaus werdet ihr eng zusammenarbeiten und gemeinsam die Weichen für den weiteren Erfolg deines Startups stellen.

Wir wünschen dir viel Erfolg bei deiner Crowdfunding-Kampagne!

About the author

Johannes Ranscht is the CEO of Germany’s first crowdinvesting platform Seedmatch. The platform offers startups seeking for capital and private investors who want to invest in innovative business models the opportunity to meet online. Prior to becoming Seedmatch’s CEO, Johannes Ranscht worked as a Dealflow Manager for the platform, but also gained experience as a startup founder.

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